Handgemalte Reproduktionen nach Egon Schiele

Wiener Moderne

Oelgemaelde-Oelbilder-Gustav-KlimtAls „Wiener Moderne“ wird eine letzte, 20 Jahre lang dauernde, kulturelle Blütezeit bezeichnet, die kurz vor dem Zerfall der österreichischen Donaumonarchie noch einmal zur Hochkultur avancierte. Philosophie, Architektur, Literatur und bildende Künste beschritten neue Wege. Eingrenzen lässt sich die Wiener Moderne auf den Zeitraum von 1890 bis 1910. Der Name dieser Epoche ist nicht unumstritten, fasst jedoch die verschiedenen Bestrebungen des Wiener Kunst- und Kulturbetriebes am besten zusammen. Begriffe wie „Kaffeehausliteratur“, „Das junge Wien“, „Dekadenzliteratur“, „Wiener Secession“ und „Wiener Werkstätte“ betreffen stets nur einen Teil des umfassenden kulturellen Schaffens der österreichischen Künstler zum Ausgang des 19. Jahrhunderts.

Von Sigmund Freud bis Egon Schiele

Viele heute weltberühmte Philosophen und Künstler gingen aus dieser Epoche der österreichischen Kultur hervor. Sigmund Freud, Ludwig Wittgenstein, die Schriftsteller Arthur Schnitzler, Joseph Roth sowie die Maler Gustav Klimt, Oskar Kokoschka und Egon Schiele verleihen noch heute der „Wiener Moderne“ ihr Gesicht.

An der Schwelle des 20. Jahrhunderts hatte sich in Wien, der Hauptstadt der Donaumonarchie, ein blühendes kulturelles Leben entwickelt. Die verschiedensten Strömungen trafen aufeinander. Gerade die jüdische Kultur erlebte hier einen letzten ganz großen Höhepunkt. Die Zeit der Monarchie näherte sich dem Ende, Prunk und Pomp beherrschten das Leben. Diesem feudalen Stil widersetzten sich neben den Schriftstellern der Epoche auch die bildenden Künstler der „Wiener Secession“ und der „Wiener Werkstätte“. Sie gestalteten ihre Werke naturalistisch und neigten sch123 Selbstportraet mit Lampionfruechtensich dem in anderen Ländern aufkommenden Expressionismus zu. Anfangs entstanden viele Gemälde im sogenannten Jugendstil. Der bedeutendste Vertreter dieser Kunstgattung war Gustav Klimt, dessen Werke „Der Kuss“ und das Bildnis der „Adele Bloch-Bauer“ heute hoch im Kurs stehen. Egon Schiele hatte sich nach seiner künstlerischen Ausbildung zunächst an Klimt angeschlossen, wandte sich jedoch bald dem Expressionismus zu. Wie auch Oskar Kokoschka schuf er expressionistische Werke, in denen er in erster Linie Menschen abbildete.

Die „neuen Wilden“

Den bildenden Künstlern, die sich um Gustav Klimt und später Egon Schiele und Oscar Kokoschka scharten, ging es nicht um das detailgetreue Abbilden von Personen oder Landschaften. Die als „neue Wilde“ bezeichneten Maler drückten mit ihren Werken ganz im Stil des Expressionismus ihre Gefühle und Erlebnisse aus. Vor allem die Aktmalerei der „Wiener Moderne“ polarisierte und brachte Egon Schiele und seine Kollegen häufig mit dem Gesetz in Konflikt. Eine Besonderheit dieser Künstlergeneration war die Auseinandersetzung mit der eigenen Person. Während Gustav Klimt kein einziges Bild von sich selbst schuf, malte zum Beispiel Egon Schiele zahlreiche Selbstporträts, mit denen er seine künstlerische Entwicklung dokumentierte.

Mit dem endgültigen Zerfall des Habsburger Staates fand auch die Epoche der „Wiener Moderne“ ihr Ende. Der bald darauf hereinbrechende Erste Weltkrieg und die in den darauffolgenden Jahren wütende „Spanische Grippe“ raffte viele Künstler der „Wiener Secession“ dahin. Egon Schiele starb 1918, im selben Jahr wie der ältere Gustav Klimt. Die „Wiener Moderne“ hinterließ ein umfangreiches Werk an Gebäuden, Literatur und Gemälden, deren künstlerischer Einfluss bis heute spürbar ist.